Iran

Iran

Das Flugzeug landet in Tehran. Und das erste To-Do für alle weiblichen Passagiere ist sich den Kopf zu verdecken. Natürlich habe ich ein Kopftuch eingepackt – aber wie binde ich es möglichst schick? Da ich mir bis dato darüber noch keine Gedanken gemacht habe, verknote ich das Tuch unter meinem Kinn und sehe aus wie ein Geschenkpaket.

„Willkommen im Iran!“ – dies war einer der meisten Sätze die ich während meiner Reise gehört habe.

Ausblick auf die Hauptstadt Tehran

Ich bin in einem Land, über das man fast täglich in den Nachrichten liest. Die Menschen dort leben isoliert von der restlichen Welt und ich möchte euch von meinen persönlichen Erlebnissen als Frau im Iran erzählen!

Die Iraner freuen sich über Gäste in ihrem Land und kommen direkt freundlich auf dich zu. In ganz verschiedenen Situationen wird man in spannende Gespräche verwickelt. Die Menschen lieben Neuigkeiten aus dem Ausland, da sie selbst wenig Möglichkeiten haben das Land zu verlassen. Bei den Unterhaltungen musste ich schnell feststellen wie gebildet die Iraner sind. Fragen wie „Du bist aus Deutschland?, Was hälst du von Bismarck?, Wie findest du die Werke von Nietzsche?“ waren nicht unüblich. Die jungen Iraner interessieren sich sehr für Poesie, Philosophie und Politik, weshalb ich auch Erzählungen stundenlang zuhören konnte. Außerdem war ich davor noch nie in einem Land, wo ich mit einer solchen Gastfreundschaft überrascht wurde. Ständig wird man auf einen Tee oder nach Hause zum Übernachten eingeladen. Und aus diesen besonderen Begegnungen sind Freundschaften entstanden! Wir haben gemeinsam über Träume gesprochen, gefühlt, gedacht und getanzt!

Kleidung Im Iran gilt die islamische Kleiderordnung. Auch für Touristen. Für Frauen heißt das, dass in der Öffentlichkeit der Körper bedeckt sein muss. Bis auf das Gesicht, die Hände bis zum Armgelenk und den Füßen muss alles verhüllt sein. Der Po muss zweimal abgedeckt sein und vorne sollte das Oberteil bis zu den Oberschenkeln reichen. Enge Kleidung sollte vermieden werden. Die Teheranerinnen sind extrem modisch und lieben Make-up. Spätestens vor Ort musst du dir also Gedanken machen, was du in der Zeit im Iran anziehen wirst. Daher meine Packliste für Dich damit du bestens vorbereitet bist:

  • Kopftuch. Nimm dir am besten ein einfarbiges Tuch mit, welches du zu allem kombinieren kannst. Die Iranerinnen in den städtischen Wohnräumen nutzen das Kopftuch als stylisches Accessoire oder tragen es ganz locker am Hinterkopf. In den ländlichen Gebieten ist es meist etwas konservativer, sodass du häufig schwarze Kopfbedeckungen sehen wirst. Vor Ort hast du eine Auswahl an vielen verschiedenen Tüchern.
  • Mantel/ Tunika. Ein solches Teil hat mich jeden Tag bekleidet. Somit ist dein Oberkörper komplett bedeckt und drunter kannst du dich „ganz normal“ kleiden. Kombinieren kannst du einen Trenchcoat zu jedem beliebigen Unterteil (Leggings, Hose usw).

Zahlungsmittel Der Iran ist dem internationalen Währungshandel nicht angeschlossen und daher werden EC- und Kreditkarten nicht akzeptiert. Du kannst mit deinen Karten an keinem Geldautomat Geld abheben, noch in einem Geschäft damit bezahlen. Du musst daher genug Euros in bar mitbringen und diese vor Ort in Rial umtauschen. Plane also davor wie viel Geld du in etwa benötigen wirst und tausche in einer der zahlreichen Wechselstuben. Dollar und Euro sind beliebte Währungen und du wirst keine Probleme haben diese umzutauschen. Mein persönlicher Tipp: verteile die Geldmengen und suche dir ein paar Geheimverstecke in deinem Gepäck. Falls dein Rucksack mal abhanden kommen sollte, stehst du nicht ganz blank da. Durch die U.S.-Sanktionen kann der Wert der Währung sich plötzlich verändern. Meist ist es ein Wertverfall- dies ist tragisch für die Iraner aber als Tourist wird das Reisen immer günstiger.

Frausein im Alltag Die Begrüßung zwischen Mann und Frau, insbesondere den Handschlag, gibt es nur bei Personen mit liberaler Einstellung. Es kam nicht selten vor, dass ich in einer Runde von Menschen von einem Mann einfach ignoriert wurde. Stelle euch darauf ein und nehmt es nicht persönlich!

Häufig unterscheidet sich der Lifestyle in der Öffentlichkeit extrem zu dem hinter verschlossenen Türen. Ich habe viele Frauen kennengelernt, die kein Kopftuch zu Hause tragen und sich für Party´s knappe Kleider anziehen.

In Tehran in der Metro gibt es einen separaten Frauenabteil. Logischerweise dürfen hier nur Frauen mitfahren. Im anderen Teil sind überwiegend Männer, es dürfen aber auch Frauen mitfahren. Ich muss sagen, dass ich mich ziemlich wohl in den Frauenabteilen gefühlt habe.

Frauenabteil in der Metro, Tehran

Am Gleis

Unterkünfte Hast du dir schon überlegt wo du während deiner Reise durch den Iran übernachten möchtest? Wenn du die herkömmlichen Plattformen wie AirBnb oder booking.com checkst, wirst du schnell feststellen, dass du hier keine Unterkünfte findest. Das liegt an der dortigen Internetzensur. Das Land ist außerdem vom internationalen Zahlungssystem ausgeschlossen und daher kann man online nicht bezahlen. Da du überall eine große Gastfreundschaft antreffen wirst, habe ich meistens Couchsurfing genutzt. Das ist toll, um mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und deren Alltag besser kennen zu lernen. Ab und zu habe ich Unterkünfte über eine Suchmaschine gefunden und telefonisch kurzfristig ein Zimmer gebucht.

Geheimtipp Freiheit in der Wüste.

Einer der Sonnenuntergänge

Inmitten einem Land, in dem viel verboten ist gibt es einen Ort der Freiheit: die Wüste. Jedes Wochenende fahren viele jungen Leute hier her, um mit ihren Freunden eine sorglose Zeit zu verbringen. Hier habe ich die „Cool and rich kids“ aus Tehran angetroffen, Unternehmer die aus dem Alltag fliehen möchten und neugierige Iraner, die von der Wüste gehört haben. Wir sind jeden Tag mit Freunden in einem Jeep an eine hohe Düne gefahren und haben uns dort den atemberaubenden Sonnenuntergang angeschaut. Dieser Ort, völlig abgeschieden vom politischen Geschehen, so ruhig und friedlich, lässt dich all deine Gedanken vergessen. An einem Abend haben wir ein Lagerfeuer gemacht, Musik gehört und sind mitten in der Wüste unter dem freien Sternenhimmel ungeplant eingeschlafen. Ob du dich hier an all die Regeln hältst, interessiert niemanden – lass dich einfach von der Umgebung verzaubern!

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